Malraum nach Arno Stern

Eintauchen in die Welt der Farben

Flüchtlingskinder im „Malraum“

 

Heute findet der "Malraum" für Flüchtlingskinder statt. Ich hole sie in ihrer Unterkunft ab.

„hallo hallo“„darf ich mit?“ Es beginnt ein Hängen, Ziehen, Betteln, Drängeln, Kinder rennen auf mich zu und rufen meinen Namen...manche umarmen  mich vor Freude.

Ok,  nun gut, sind jetzt alle da? Und auch nicht zu viele?

..sind alle angeschnallt?“  Wir fahren los. Gerne mit Musik, das wünschen sich die Kinder - manchmal auch ganz laut.

 

Wir sind angekommen am Malraum. Maren Moormann vom Verein Schwere(s)Los! begrüßt die Kinder und heißt sie herzlich Willkommen, ganz ruhig. Der Ansturm flaut ab. Sie geht auf die Kinder zu und hilft Ihnen die Malkittel anzuziehen.  Alle bereiten sich auf das Malen vor.

Maren ist ganz bei den Kindern und versorgt sie, steht ihnen wohlwollend zur Seite.

Es sortiert sich. Jedes Kind findet seinen Platz und richtet sich ein mit einem Blatt Papier, das an die Wand gehängt wird. Gemalt wird mit Palette, Gouachefarben und Feenhaarpinsel,  auf einem Stuhl oder Hocker, beliebt ist auch die Leiter, mit ihr kann man ganz oben malen.

Die Farben stehen in der Mitte auf dem Palettentisch allen zugänglich, bunt aufgereiht mit Wasserschalen und Pinseln.

Nun wird es spannend, was entsteht?

Bildlich, im gemeinsamen Miteinander, in der Gruppe?

 

Arno Stern hat in den 50iger Jahren den "Malraum" ins Leben gerufen. Für Kriegswaisen in einem Pariser Vorort schuf er einen Raum, welche den Malenden Schutz bieten und wo sie sich entfalten können. Er ist bis heute mit über 90 Jahren unterwegs und im sogenannten Closmilieu tätig. Das Malen ist beim "Malraum" ein Medium, eine Art Äußerung, die  dem Inneren entspringen darf. Arno Stern hat nannte dies innere Spur oder Formulation. Unbewusste Bilder oder Bedürfnisse kommen beim ungestörten Arbeiten zu Tage, dabei wird jede Form der Bewertung einer entstehenden Spur  aus diesem Schutzraum verbannt.

Das Dasein für die Malenden spielt daher eine vordergründige Bedeutung. So soll die Konzentration vollkommen auf das Malen gelegt werden. Dazu ist eine Vertrauensbasis wichtig. Schutz gewährende Bedingungen sind Vorraussetzung, damit die Kinder frei aus sich heraus handeln und malen können.

Um Vertrauen und Geborgenheit aufzubauen, findet regelmäßig jeden Montag der "Malraum" statt. Wichtig ist die Kontinuität für die Kinder, die hier spielerisch dem Raum geben können, wofür sonst kein Platz, keine Ruhe und keine Zeit ist. 

Nach neunzig Minuten Malen, Lachen, Erzählen, Streiten, Schlichten und Tee Trinken geht es wieder zurück in ein provisorisches Zuhause. Neunzig Minuten Raum, um sich ein bisschen zu spüren und etwas von sich vorbehaltlos preis zu geben,weil es im Malraum sicher ist.

 

Angela Heier,

Kind Und Umwelt Gesundheitsförderung

Maren Moosmann, Schwere(s)Los! e.V.

 

 

 

Wir bieten einen Schutzraum für geflüchtete Kinder, in dem sie und ihre Selbstentfaltung mithilfe des Malens im Mittelpunkt stehen dürfen und versorgt werden. Die Kinder haben die Möglichkeit anzukommen in sich und in einer neuen Kultur. Über das Medium des Malens können sie sich entfalten, sie können sich ganz darauf konzentrieren, weil wir begleitend bei ihnen sind und anreichen, was sie brauchen. Es kommen Kinder mit Kriegserfahrung, oder Kinder, die mit ihrer Großfamilie jahrelang auf der Flucht waren... Es ist Alles erlaubt, was Gouache-Farbe, Pinsel und Formen hergeben. So darf Alles sein und wird nicht kommentiert. Eine Tee-und Kekspause mit Karotten ist ein auflockerndes Ritual geworden, nach erschöpfender Konzentration.

Beständigkeit und Zuverlässigkeit ist uns sehr wichtig. So bieten wir jeden Montagnachmittag den Malraum an. Um den Kindern ein Wiederkommen an einen sicheren Ort, an dem sie willkommen sind und sich geborgen fühlen, zu bieten, liegt uns ebenfalls der nachhaltige Aspekt sehr am Herzen und so wünschen wir ein Fortsetzung des Projektes. Unser Ziel ist es Kindern ein Instrument als Möglichkeit zur Selbstentdeckung und -Entfaltung mitzugeben für eine gesündere Welt.